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Leistungsumfang und Wissenswertes

Bei Erhalt eines neu zu besaitenden Rackets werden der gewünschte Saitentyp und die bevorzugte Härte definiert. Entweder hat der Kunde bereits konkrete Anforderungen oder die bestmögliche Kombination wird passend zum Spielertyp gemeinsam ermittelt. Bei der anschließenden Begutachtung des Rackets auf mögliche strukturelle Schäden erfolgt eine erste Prüfung der Ösen, die je nach Alter und Einsatz des Schlägers zum Teil erhebliche Schäden aufweisen können. Sichtbare, strukturelle Schäden des Rahmens müssen bei der Wahl der Besaitungshärte unbedingt berücksichtigt werden, da ansonsten eine weitere Beschädigung des Rackets bei der Neubesaitung sehr wahrscheinlich ist. Da nicht alle Vorschäden eines Rackets von außen tatsächlich auch sichtbar sind, kann grundsätzlich keine Gewährleistung auf Rahmenschäden im Zuge einer Neubesaitung gegeben werden. Um Rahmenschäden in der Zeit zwischen dem Riss und der Neubesaitung zu vermeiden, sollte die defekte Saite am besten noch vor Ort nach diesem Muster in den Kreuzungen herausgeschnitten werden. Auf keinen Fall darf nur erst die Längs- oder nur erst die Quersaite entfernt werden, es besteht akute Bruchgefahr!!! In der Animation wird deutlich, welche Verformungsenergie in den verbleibenden Saiten steckt (spätestens beim Sprung vom Ende an den Anfang wird's deutlich).


Aus der Nähe betrachtet...

Für den Tausch defekter Ösen kommt entsprechendes Spezialwerkzeug für den fachgerechten Aus- und Einbau zum Einsatz. Darüber hinaus steht ein umfangreiches Sortiment mit den unterschiedlichsten Ösen-Typen (verschiedene Längen, Durchmesser, Doppelösen, etc.) zur Verfügung.
Die endgültige Prüfung des Rahmens auf defekte Ösen kann erst nach Entfernen der alten Besaitung mit einem Vergrößerungsglas und ausreichend Licht erfolgen. Hier sorgt eine große beleuchtete Werkstattlupe für den nötigen Durchblick.


Rackets mit aus der Ferne betrachtet intakten Ösen, die sich aber bei näherem Hinsehen als stark kariös zeigen und unbedingt getauscht werden müssen. Speziell die schadhaften Ösen im rechten Bild sind erst nach Entfernen der Besaitung sichtbar.

Als defekt sind alle Ösen zu betrachten, die ihre ursprüngliche Eigenschaft (geschlossene Zylinderwand) verloren haben. Neben dem mit bloßem Auge sichtbaren Klassiker, der stumpf abgebrochenen Öse, stellen vor allem feinste Längsrisse und 'interne' Löcher in der Öse an der Innenkante des Rahmens potentielle Beschädigungsquellen für die Besaitung dar. Da letztere nur nach genauer Prüfung mit entfernter Besaitung zu erkennen sind, kann erst im Laufe der Bearbeitung die genaue Anzahl zu tauschender Ösen festgestellt werden.

Sortiment mit Ersatzösen und das für den fachgerechten Austausch erforderliche Spezialwerkzeug mit zwei Durchmessern.

Da ausschließlich schwarze Ösen zur Verfügung stehen, können farbige Ösen leider nicht durch (gleich)farbige ersetzt werden. Hier bietet der Markt nicht das dafür notwendige Ersatzteilangebot. Ein weiterer Sonderfall sind die bei manchen Rackets zum Einsatz kommenden Ösenbänder (z.B. beim Yonex Voltric Z-Force II). Hierbei handelt es sich um schlägerspezifische Ersatzteile, die nur schwer und zu hohen Kosten als Ersatzteil erhätlich sind (auf dem deutschen Markt warum auch immer überhaupt nicht...). Sollte am Racket ein Ösenband beschädigt sein, biete ich bei Verfügbarkeit den Einbau eines neuen Bandes an (Pauschalpreis 10,-€) oder ersetze es wahlweise auch durch die entsprechende Anzahl Einzelösen.

Nach dem Tausch defekter Ösen wird das Racket vollkommen verformungsfrei auf die Besaitungsmaschine gespannt und die gewählte Saite eingezogen. Durch die Verwendung stationärer Zangen ist eine optimale Saitenfixierung bei minimaler mechanischer Belastung des Materials gewährleistet. Das Beaufschlagen der gewünschten Härte erfolgt ausschließlich Saite für Saite, ein 'schnelles' Durchziehen über zwei Lagen gibt es hier nicht. Dadurch kann eine homogene Besaitungsgüte über die gesamte Besapnnung sichergestellt werden.


Fehlerprüfung Besaitung

Permanente Prüfungen während des Einfädelns der Quersaiten verhindern mögliche Webfehler zu 100%. Sollte trotzdem einmal ein solcher Fehler auftreten und unbemerkt bleiben, bietet Heiko's RacketService bis vier Wochen nach Rechnungsdatum eine kostenlose Neubesaitung der noch unbeschädigten Bespannung an.

Bleibt noch zu klären, in welchem Kräfteverhältnis die Längs- zur Quersaite gespannt werden sollte. Für unverformte, und damit spannungsfrei ausgeglichene Rackets ziehe ich die Längssaiten mit 0,5kg weniger ein als die beabsichtigte Besaitungshärte. Kundenseitig ist dabei nur die Vorgabe eines einzigen kg-Wertes für die gewünschte Besaitungshärte anzugeben, um alle weiteren Details kümmere ich mich.


Messung der resultierenden Zugspannung

Nach Abschluss der Besaitung erfolgt eine Messung der resultierenden Härte mittels eines Prüfgeräts. Dieser Tension-Tester liefert durch Zugbeaufschlagung einzelner Saiten einen Index (STI = String Tension Index) über die auf das Racket gelangte Besaitungshärte. Das Ergebnis ist keine Kraft in Newton, sondern ein einheitenloser Wert, der nur einen Vergleich mit dem Zustand vorher, mit anderen Rackets oder aber zu einem späteren Zeitpunkt erlaubt. Misst man den STI beispielsweise später noch einmal, bekommt man eine Aussage, in welchem Maße sich die Härte abgebaut hat. Viele Rackets, die bisher in nicht gerissenem Zustand zur Neubesaitung gegeben wurden (nur dann lässt sich eine aussagehfähige Messung durchführen), zeigen einen STI zwischen 10 und 18. In dieser Größenordnung liegen auch viele Werksbespannungen der meisten Hersteller, die in Kombination mit der dicksten verfügbaren Saite (z.B. BG55 oder Rally21) den Schwerpunkt so auf die Haltbarkeit gelegt haben. Um damit beim Spielen glücklich zu werden muss man solche Matratzen aber mögen. Aus diesem Grund bekommen viele Rackets (auch und gerade die Preiswerteren) direkt mit dem Neukauf eine Neubesaitung nach Wunsch, der Effekt ist deutlich spürbar.

Welcher STI sich nach einer Neubesaitung dann tatsächlich einstellt, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Besaitungshärte ist natürlich ein Faktor, aber nicht der Einzige. Neben der Härte spielen die ausgewählte Saite mit ihrem individuellen Zugverlust im Laufe der Zeit und, das ist tatsächlich der größte Faktor, die Steifigkeit des Rahmens eine Hauptrolle. Ein eher weiches Racket (ganz extremes Beispiel: Aluminium), das während der Besaitung ständig im Rahmen seiner Möglichkeiten in Richtung des Zugs nachgibt und sich verformt, kann die eingebrachten Kräfte natürlich nicht aufnehmen und halten und wird am Ende auch keinen überragenden Tension-Index liefern (an dieser Stelle sei auch nochmal die Bedeutung einer spielfreien Spanntechnik der Maschine erwähnt). Einen Anhaltspunkt über die Stabilität des Rahmens liefert die bei einigen Herstellern angegebene maximale Besaitungshärte: hohe Werte deuten auf einen stabilen Rahmen hin und ermöglichen erst die tatsächliche Erreichung hoher Spannkräfte. Hier handelt es sich dann auch meist um die eher teureren Modelle.
Die meisten Rackets werden mit 9,5-10,0kg Zug bespannt, womit man bei durchschnittlichen Rackets und Saiten einen STI zwischen 24 und 28 erhält. Mit diesem Wert ist man als Durchschnittspieler bestens aufgestellt und sollte dann sowohl mit der Ballkontrolle als auch mit dem Erreichen der Grundlinie kein Problem mehr haben. Wer es noch härter mag, wählt, ein entsprechendes Racket natürlich vorausgesetzt, Zugkräfte oberhalb von 10kg und kann damit einen STI jenseits der 30 erzielen. Speziell Hochleistungsspieler lieben so etwas. Berücksichtigen muss man jedoch, dass die Haltbarkeit der Saite mit zunehmender Härte stark abnimmt.

Logo? Nein!

Ich bringe seit 2020 kein Logo mehr auf die neue Besaitung (weder das Eigene noch die von Firmen). Hintergrund ist die teilweise unzureichende Qualität des Ergebnisses, der unverhältnissmäßig hohe Aufwand und der individuell sehr unterschiedliche Geschmack der Spieler. Für Selbermacher ist aber der geeignete Lack bei mir in schwarz erhältlich.



Auch Exoten sind bei Heiko's RacketService immer willkommen!